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24. März 2019

Die neue Zeit der schlechten Texte – Babylon revisited?

Die Omnipräsenz “schlechter” Textsorten fordert uns heraus und überfordert häufig unsere Jugend.

Die neue Zeit der schlechten Texte – Babylon revisited?

Hatespeech, Fake News, Newspeek, … Nospeak?

Die Omnipräsenz “schlechter” Textsorten fordert uns heraus und überfordert häufig unsere Jugend. Während vor gar nicht so langer Zeit der Großteil der publizierten Texte und Informationen zumindest gewissen Qualitätskriterien entsprechen musste, um überhaupt veröffentlicht zu werden, kann heute jede und jeder ihrem oder seinem „Mütchen“ freien Lauf lassen, was positiv betrachtet auch eine Art soziale Ventilfunktion erfüllen mag, aber für jene nicht angenehm ist, die den heißen Dampf abbekommen.

Schlimm ist es vor allem für Kinder und Jugendliche, welche damit konfrontiert werden, und für die es damit immer schwieriger wird, ihre Sprachkompetenz auf ein hohes Niveau zu bringen und auch in ihrer emotionalen Entwicklung nicht geschädigt zu werden. Vor allem in Familien, in denen es keine Lesetradition gibt, den Kindern wenig vorgelesen und auch wenig mit ihnen gesprochen wird, haben es Kinder mit dem Spracherwerb sehr schwer. Auch der Erwerb gesellschaftlich akzeptabler „Konventionsfloskeln“ ist schwieriger, wenn im eigenen Umfeld, und dazu gehören dann auch die eigenen „Bubbles“ in den sozialen Netzwerken, vor allem mit Schimpfworten agiert wird. Dies sind auch Stolpersteine auf dem Weg zum sozialen Aufstieg.

Andererseits gibt es heutzutage viel mehr Möglichkeiten, mithilfe digitaler Medien die eigene Schreibkompetenz zu verbessern, indem man zum Beispiel die Autokorrektur sowie online Lexika oder Enzyklopedien verwendet. Auch die Lesekompetenz kann man mit speziellen interaktiven Übungen viel gezielter fördern, als dies früher der Fall war. Kinder, die dazu weder im Elternhaus noch in der Schule angeleitet werden, haben einen entscheidenden Nachteil. Das Auseinanderklaffen der sozialen Schere ist dann garantiert. Kinder wie beispielsweise Amira Willighagen, deren Eltern sie unterstützen und fördern, können selbst mithilfe von YouTube-Videos zu Opernsäger/innen werden, während andere nur eine Chance haben, wenn ihnen in der Schule entsprechende Angebote gemacht und Gefahren aufgezeigt werden.  

Bezüglich „guter“ Texte haben wir aber auch an den Hochschulen ein Problem. “Masse statt Klasse” greift auch im Wissenschaftsbereich um sich, denn was wir in Westeuropa bei den Chinesen sehr kritisch sehen, nämlich die Vergabe von „Sozialpunkten“, das haben wir im Wissenschaftsbereich mit der Punktevergabe für wissenschaftliche Publikationen schon längst akzeptiert. „Je mehr desto besser“ gilt zunehmend auch hier, obwohl das nur immer stärker zu einer ständigen „Verdünnung der Suppe“ führt und die Suche nach neuen Ansätzen zu einer Suche nach einer „Nadel im Heuhaufen“ macht. Denn wer hat noch Lust und die Zeit, ein völlig neues Kapitel aufzuschlagen, Grundlagenforschung im besten Sinne des Wortes zu betreiben, wo doch das Aufwärmen einer alten Suppe gleich viele Punkte und damit zumindest oberflächliche Anerkennung bringt?

Bei der Masse an wissenschaftlichen Publikationen mit teils fragwürdiger Qualität bzw. kaum Neuigkeitswert fällt es auch Studierenden dann immer schwerer, eigenständig und ohne Anleitung die zur Verfassung ihrer Arbeiten ergiebigen Publikationen herauszufiltern. Daher wird es immer wichtiger, hier auf ein „Vorsortierung“ bzw. Bewertung im Internet zugreifen zu können.

Alle angeführten Herausforderungen können wir allerdings nur meistern, wenn Elternbildung sowie zeitgenmäße Bildung ab der Elementarstufe zu einem (selbst-)bewussten und reflektierten Umgang mit den Möglichkeiten des digitalen Zeitalters führen. Keinesfalls sinnvoll ist es Dämme zu bauen, wenn man bereits mitten in der ständig anwachsenden Flut steht. Sinnvoller ist es dann, das Schwimmen zu lernen oder - noch besser - gemeinsam Schiffe zu bauen, um damit gemeinsam in die Zukunft zu navigieren.  

2019-03-19 ©Edmund Huditz

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